Ecce homo - Wie man sich zu dem macht, was man sein möchte
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Alle meine Rezensionen ansehen Rezension bezieht sich auf: Ecce homo: Wie man wird, was man ist (insel taschenbuch) (Taschenbuch) Das Wichtigste nun mal zu allererst: Irgendwie sind hier die Rezensionen ein wenig verwirrend. Hinter dieser ISBN steht meines Wissens nach ein Buch - kein Hörbuch. Ich habe auf jeden Fall ein gedrucktes Buch bekommen.
Inhalt des Bandes sind Nietzsches 'Ecce homo' ist, sowie ein Vorwort von Raoul Richter und ein Nachwort von Ralph-Rainer Wuthenow. Im Vorwort, welches quasi historisch ist, erfährt man einiges über die Entstehung der vorliegenden Textfassung, da der Ecce-homo-Text nicht druckfertig wurde, bevor Nietzsche seinen Zusammenbruch erlitt. Dies ist für den Erstleser insofern möglicherweise hilfreich, als dass er so einen Einblick in die Umstände der Entstehung des Werkes bekommt. Für Leser die tiefer in die Materie eingearbeitet sind können sich eventuell interessante zeitliche Zusammenhänge auftun und wer keinen Nerv für Vorwörter hat, verpasst auch nichts, wenn er es überspringt ...
Nietzsches Leben bestand aus ständiger Selbstbeobachtung und Beschreibung. Schon als Jugendlicher schrieb er autobiografische Texte. Kurz vor seiner geistigen Umnachtung versuchte sich Nietzsche hier noch einmal selbst zu erklären. Aber, hier ist vorsicht geboten: Der Autor nimmt hier durchaus keine Rücksicht auf historische Korrektheit. Nietzsche, der sagte man müsse an einer Seite Text wie ein Bildhauer arbeiten, arbeitet hier an seinem Leben wie ein Bildhauer um jeder relevanten Begebenheit das Pathos eines Kunstwerks zu verleihen und alles Makelhafte zu beseitigen beziehungsweise vergessen zu lassen. Beinahe witzig, aber eher aberwitzig lobt sich Nietzsche hier in höchsten Tönen (und damit meine ich 'höchste Töne' - er hebt sich mitunter auf eine Stufe mit den Göttern) und erklärt warum er sich so lobenswert findet. Anschließend betreibt er noch nachträgliche Korrekturen an seinen alten Schriften, in dem er deren Bedeutung und wichtigsten Inhalt quasi nochmal zusammenfasst. Das alles geschieht aber aus der aktuellen Perspektive, indem er die Inhalte schlicht umdeutet. Trotz aller inhaltlichen Absurdität schafft es Nietzsche durchaus, auf Grund seiner überlegenen Rhetorik, den Leser zu faszinieren und zu beeindrucken. Sein Stil ist unvergleichlich und begeisternd im wahrsten Sinne des Wortes. Besonders zu gefallen weiß das letzte Kapitel 'Ruhm und Ewigkeit', welches ganz großartig den 'euphorischen Tenor', welcher sich die ganze Zeit am Rande zur Lyrik befindet entgültig in Lyrik verwandelt. Nietzsche ist für mich eher Poet als Philosoph. Als esoterische Lebenshilfe eignet sich Ecce homo allerdings eher nicht. Nietzsches Beschreibungen, was gutes Klima ist und vor allem was gute Ernährung entbehren nicht einer gewissen Lächerlichkeit!
Das Nachwort dann bildet einen schroffen Bruch zum Ton des Primärtextes und wirkt befremdlich sachlich nach der Lektüre. Trotzdem war es für mich ein echtes Highlight, da Wuthenow weiß wovon er redet und quasi den Text seiner schönen stilistischen Maske entledigt und somit den kritisch einen Blick auf den Inhalt wirft. Ich möchte dem hier allerdings nicht vorgreifen.
Mit Fazit: Schöne Ausgabe mit gutem Nachwort. Allerdings eher für Nietzsche-Interessierte. Einsteiger sollten vielleicht an anderer Stelle in den faszinierenden Gedankenkosmos Nietzsches einsteigen.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 16. September 2007
Kundenrezensionen:
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