Die Welt als Wille und Vorstellung: Vollständige Ausgabe nach der dritten, verbesserten und beträchtlich vermehrten Auflage von 1859


 
Inspirations-Quelle erster Güte
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(VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)    Rezension bezieht sich auf: Die Welt als Wille und Vorstellung: Vollständige Ausgabe nach der dritten, verbesserten und beträchtlich vermehrten Auflage von 1859 (Gebundene Ausgabe) Diese Ausgabe Schopenhauers Hauptwerks ist wegen seiner Aufmachung von anderen Lesern kritisiert worden. Aber erstens geht es mir um den Inhalt und ich empfinde die Schrift auch als gut leserlich. Es handelt sich um ein gebundenes, handliches Buch mit einem - wie ich finde - sympathischen Bild von Schopenhauer auf dem Titel. Der Preis ist enorm günstig: knapp 10 ¤! Das sind bei fast tausend Seiten ein Cent pro Seite und jede Seite enthält Gedanken und Sätze, über die es sich lohnt, ausgiebig nachzudenken. Ich erlaube mir, einen Satz aus der Vorrede zur ersten Ausgabe zu zitieren: "Die Wahrheit ist keine Hure, die sich Denen an den Hals wirft, welche Ihrer nicht begehren: vielmehr eine so spröde Schöne, daß selbst wer ihr Alles opfert noch nicht ihrer Gunst gewiß seyn darf." (Schreibweise original übernommen.)
Die - original aus dem 19. Jahrhundert übernommene - Schreibweise mag vielleicht den einen oder anderen Leser stören, weil sie etwas ungewohnt ist. Ich bin aber froh, dass man nicht etwa versucht hat, die Schreibweise oder gar die Formulierungen zu modernisieren. Durch den Original-Text wird man zusätzlich dazu eingeladen, den Inhalt mit der erforderlichen Muße auf sich wirken zu lassen und ggf. mehrfach zu lesen. Ich würde es nicht für vorteilhaft erachten, dazu animiert zu werden, einen derart gehaltvollen Text wie einen Zeitungsartikel herunterzulesen.
Zugegeben: Für Menschen, die im Berufsleben sich daran gewöhnt haben (mussten), mit Multitasking fertig zu werden, also ständig bereits angefangene Tätigkeiten - etwa einen Brief - nach kurzer Zeit zu unterbrechen, um z.B. ein Telefongespräch anzunehmen, nebenbei noch einen Bildschirm zu beobachten, etc., bei denen besteht die Gefahr, dass sie nach einer Weile die Fähigkeit verlieren, sich längere Zeit auf einen Text zu konzentrieren, besonders wenn es dieser in sich hat. Ich halte es aber auch nicht für nötig oder auch nur für ratsam, sich - besonders beim ersten Lesen dieses Buches - vorzunehmen, gleich 50 oder mehr Seiten hintereinander zu lesen. Oft genügt es, sich von ein paar Seiten oder auch nur Sätzen inspirieren zu lassen, darüber eine Weile nachzudenken und ggf. mit guten Freunden darüber zu diskutieren.
Schon während der Schulzeit waren mir Schopenhauers "Aphorismen zur Lebensweisheit" ein häufiger und lieber Begleiter, gut gewürzt mit feinsinnigem (für manche Leute vielleicht nicht sofort erkennbarem) Humor, Ironie und Sarkasmus, Elemente, die man natürlich auch in diesem, seinem Hauptwerk reichlich findet. Diese Elemente tragen entscheidend dazu bei, an dem Text auch Freude und sogar Spaß zu haben, so dass einen der vielschichtige Gehalt mit seinen reichen Bezügen, Rückverweisen und Zitaten (bei (besonders)den griechischen und lateinischen wären allerdings Übersetzungen als Anmerkungen hilfreich gewesen) nicht so schnell überfordert bzw. ermüdet.
Der Humor in Schopenhauers Texten verhindert auch die eventuell vorhandene Neigung, seinen Pessimismus überzubewerten, der nach meiner Überzeugung vor allem von denen zu stark betont wird, die ihn wahrscheinlich nicht genau genug gelesen haben.
Es ist allerdings wahr: Er ist zu dem Schluss gekommen - und führt als weiteren Beleg für die Richtigkeit dieser Auffassung auch alte Sanskrit-Texte, Meister Eckhard und andere Quellen an - dass es letztlich weiser ist, nicht auf die vielen Glücksversprechungen des Lebens zu vertrauen und sich lieber der Askese zuzuwenden. Das werden Menschen, die die Zuversicht haben, dass eine gegenteilige Lebensweise, mit Ausschau nach möglichst vielen Genussquellen sinnvoller ist (zunächst) ablehnen. Es kann aber wohl nichts schaden, auch einmal die anderen Argumente zur Kenntnis zu nehmen.
Auch in den Aphorismen kann man z.B. lesen, dass, wer einigermaßen unbeschadet durchs Leben kommen will, eine gehörige Portion Umsicht, Vorsicht und Rücksicht (man könnte noch hinzufügen: Nachsicht) mitbringen sollte, was sicherlich kein schlechter Rat ist, auch wenn dies wiederum eher zu einer defensiven Lebensweise passt.
Schopenhauer selbst war sicher nicht in allen Lebensbereichen pessimistisch. Sonst wäre er nicht so nachhaltig motiviert gewesen, seine Philosophie zu vervollständigen und die verschiedenen Druckauflagen seines Hauptwerks immer wieder aus eigener Tasche zu finanzieren, obwohl diese sich zu seinen Lebzeiten nur sehr schlecht verkaufen ließen und deshalb der größte Teil immer wieder vernichtet (eingestampft) wurde. Er war unbeirrbar davon überzeugt, dass sich sein Werk letztlich doch durchsetzen würde, wenn die Zeit dazu reif sein würde.

Eine Rezension von Ein Kunde
vom 16. März 2010
Kundenrezensionen:
3. Inspirations-Quelle erster Güte (die aktuell angezeigte Rezension)
2. niedrige Qualität
1. schwer lesbar
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